Zum aktuellen Forschungsstand (Februar 2017)

Der Herkunftsort von Johann Jackmuth (Stammvater der Nieverner Linie) und seinem etwaigen Bruder Leonhard (Stammvater der Arzbacher Linie) wäre ohne Internet vermutlich nur schwer und aufwendig zu ermitteln, ein Ort, über den sämtliche heimatliche Quellen schweigen. Erst das Aufkommen von genealogischen Datenbanken wie FamilySearch oder Ancestry und das Bestreben von Archiven immer mehr Quellen als sogenannte Digitalisate online zu stellen, brachte dann nach 25 Jahren den Durchbruch. Seit 2005 digitalisiert das belgische Staatsarchiv die Kirchenbücher des ganzen Landes im Zeitraum vom 16. bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts (Ancien Regime). Bis zum Mai 2016 (letztes Update) waren 26 000 Kirchenbücher mit über 5,3 Millionen Seiten online einsehbar — für das kleine Land (etwa so groß wie Nordrhein-Westfalen) eine geradezu beispiellose Aufgabe. Aufgrund anderer Forschungsgebiete, ich hatte 2013 und 2015 zwei Bände eines Familienbuchs für die Pfarrei Oberweyer (bei Hadamar) veröffentlicht, kamen meine Recherchen zum Kirchspiel Nievern ab 2007 völlig zum Erliegen. Als ich dann im Oktober 2016 angefangen habe, meine schon etwas antiquiert wirkende Webseite auf ein modernes Aussehen umzustellen (WordPress) und von dem erwähnten Digitalisierungsprojekt erfuhr, fand ich, dass es vielleicht jetzt einfacher möglich wäre, diesen mysteriösen Herkunftsort zu ermitteln.

Zunächst war dem Hinweis Gensickes in seinem Beitrag in den nassauischen Annalen zum Kirchspiel Nievern (1956), dass nur bei einer Familie, die die Hüttenherren aus ihrer Heimat in Nievern angesiedelt haben, der Herkunftsort genannt würde, nachzugehen. Und zwar bei der Familie le Gaigneur 1726 der Ort Jalhay im Marquisat Franchimont bei Verviers. Die Belegstelle Gensickes bezieht sich noch auf das alte leyensche Archiv im Schloss Waal (Allgäu), dessen 174 Regalmeter 1995 u. a. vom Landeshauptarchiv Koblenz erworben wurden und seitdem dort den Bestand 48 bilden. Wie sich dann herausstellte, hatte Gensicke das Protokoll des Gerichts Fachbach von 1726 (LHAK, Best. 48, Nr. 2210) vor sich. In der Sitzung vom 18. Juni 1726 soll u. a. ein Kaufvertrag über zwei Äcker zwischen Johannes le Gaigneur, Bürger und Schneidermeister zu Wien, und dessen Ehefrau als Verkäufer, und Henrich le Gaigneur, wohnhaft zu Jalhay im Marquisat Franchimont, Lücker Land, als Käufern, gerichtlich bestätigt werden, was das Gericht jedoch nicht könne, da die Güter nicht in der Herrschaft Nievern lägen. Auf herrschaftlichen Befehl wird dann in der Folgesitzung vom 9. Juli der am 26. April 1726 zu Wien geschlossene Vertrag dennoch, jedoch auf Gefahr der Vertragspartei und ohne Schaden des Gerichts (periculo partis et citra praeiudicium iudicii), gerichtlich bestätigt, dem Protokoll einverleibt und mit dem Gerichtssiegel versehen. Es folgt der in Regestform gehaltene vollständige Vertragstext.

Johannes le Gaigneur bekennt für sich, seine Ehefrau, Erben und Nachkommen, dass er wissentlich und wohlbedächtlich eines steten und unwiderruflichen Erbkaufs verkauft und zu kaufen gegeben habe, auch hiermit verkaufe und zu kaufen gebe seinem lieben Oheim, dem ehrsamen Henrich le Gaigneur, wohnhaft zu Jalhay im Marquisat Franchimont im Lückerland, sowie dessen Erben und Nachkommen, sein dort aus der väterlichen Verlassenschaft zu gewärtigen habendes und ihm wirklich zugeteiltes Erb- und Anteil liegender Güter, bestehend aus 2 Äckern von zusammen 2 ¾ Morgen, einem gemeinschaftlichen Haubusch und einer jährlichen Geldrente von 2 Permis-Schillingen für 10 Patagone [Albertustaler] oder spanische harte Reichstaler verakkordiertes Kaufgeld, welches der Käufer vor Auslieferung dieses Kaufbriefs wirklich und bar erlegt habe. Hierüber wird er dem Käufer, dessen Erben und Nachkommen nicht allein bestermaßen quittieren, sondern diesen auch in sein väterliches Erbgut ein- und sich und die Seinen auf ewig heraussetzen und besonders gegen seinen Vater Charles le Gaigneur rechtliche Währschaft leisten, falls dieser noch am Leben sei, wieder in sein Vaterland käme und seine Güter wieder in Besitz nähme, indem er auf alle ihm zustatten kommenden rechtlichen Wohltaten, über die er unterrichtet wurde und wie sie Namen haben mögen, wohlbedächtlich verzichtet, besonders des nicht bar empfangenen oder im Sinn des Verkäufers verwandten Geldes, Vervorteilung über die Hälfte des rechten Wertes, bösen Betrugs, etc., alles ohne Arglist und Gefährde. Zu Urkunde dessen habe er diesen Kaufbrief eigenhändig unterschrieben und ein löbliches Gericht zu Nievern an der Lahn gräflich-leyenschen Kirchspiels, wo er geboren und erzogen wurde, ersucht, diesen respektive Kauf und Verkauf gebührend zu Protokoll zu nehmen und mit dem gewöhnlichen Gerichtssiegel zu bestärken. So gegeben in der kaiserlichen Residenzstadt Wien, den 26. April 1726.

Dass ein Charles le Gaigneur mit Sohn Johannes und Familie in Nievern gelebt hat, geht aus dem im Jahr 1708 einsetzenden ersten Nieverner Kirchenbuch nicht hervor, muss also zeitlich davor liegen. Im Folgenden war es nun zuerst einmal notwendig, sich einen Überblick über die Verteilung des Namens le Gaigneur in Jalhay zu verschaffen. Dabei sind die vom belgischen Staatsarchiv ebenfalls digitalsierten Kirchenbuch-Indexierungen, die bereits im 19. Jahrhundert zumindest im Bistum Lüttich erstellt wurden, äußerst hilfreich. Die Aufzeichnungen der Pfarrei St. Michel in Jalhay beginnen für Taufen 1649, Tote 1651 und Ehen 1654 und sind ohne nennenswerte Lücken erhalten. Allerdings ist le Gaigneur dort kein häufiger Name. Ein Charles le Gaigneur findet sich jedoch am 12.01.1696 im Ehebuch. Le 12e de Jan[vier] 1696 iay donne dimissoriales a Charle le Gaigneur pour espouser N. Bohar demeurant a Nieueur. Das ausgestellte Dimissoriale berechtigt den Bräutigam zur außerpfarrlichen Heirat einer gewissen N. Bohar, wohnhaft in “Nieveur”. Ich vermute, dass es sich hier um eine frz. Schreibweise des Ortsnamens “Nievern” handelt. Leider fehlen hierfür weitere Belege. Da jedoch der Name “Jackmuth” in seinen zu vermutenden Varianten “Jacquemot” oder “Jacquemotte” nicht zu finden war, fiel Jalhay als Herkunftsort schon einmal aus, Wie nahe ich allerdings dem Ziel war, sollte sich allerdings erst später zeigen.

Endgültige Lokalisierung des Herkunftsortes

Es galt die Orte im größeren Umkreis und innerhalb des Bistums Lüttich nach folgenden Kriterien abzusuchen: zwei Brüder Jean und Léonard Jacquemot(te), geboren in den 1670er Jahren und wahrscheinlich in der Eisenverhüttung beschäftigt. Die Zentren dieses Gewerbes lagen im späten 17. Jh. in Lüttich und Verviers. Für Lüttich listet das Verzeichnis auf der Webseite des Archivs über 40 Pfarreien auf, die alle im 19. Jh. indexiert wurden. Ebenso existiert ein Gesamtindex für alle Pfarreien. Verviers bestand nur aus der Pfarrei St. Remacle (Taufen ab 1573), die ebenfalls durch einen Index erschlossen ist. Leider brachte die Recherche hier keinen Erfolg. Auf diese Weise hätte man mit den anderen Pfarreien weiter verfahren können, was aber immer noch eine immense Sucharbeit geworden wäre. Ich entschied mich dann über das genealogische Portal Ancestry mit Hilfe der Suchfunktion “Hot Spots” zu erstellen, wo der Name “Jacquemot(te)” im 17. Jh. häufig war. Neben verschiedenen Orten in Belgien ergab sich eine interessante Konzentration des Namens in der Gegend um Reims in Frankreich. Eine der Hinweise führte mich dann nach Lierneux, ein Ort ca. 55 km südlich von Lüttich und ca. 10 km nördlich von Luxemburg. Die Pfarrei St. André verwaltete neben dem Ort Lierneux selbst noch über zehn weitere kleine Weiler, Taufmatrikel sind ab 1671 erhalten. Die beiden Orte Petit-Sart und Grand-Sart bilden eine eigene Pfarrei St. Walburge, einer Tochterpfarrei von St. André (Taufen ebenfalls ab 1671). Der Index für Lierneux weist einen Namen “Jacquemotte” für Ende des 17. Jhs. durchaus in dem Weiler Rèhârmont nach, kennt aber die gesuchten beiden Brüder nicht. Der Durchbruch gelang Anfang November 2016 erst bei Durchsicht des Registers für den Ort Sart. Hier fanden sich unter dem Namen “Jacqmotte” nur vier Taufen: Guillaume get. 11.04.1670, Léonard get. 29.09.1672, Jean get. 23.05.1675 und Élisabeth get. 01.02.1680. Weitere Angaben waren dem Index aus dem 19. Jh. nicht zu entnehmen. Auch gab das Kirchenbuch von Sart bei Lierneux keine Auskunft. Seltsamerweise lag die Anzahl der seit 1671 eingetragenen Taufen bei etwa nur fünf Einträge pro Jahr. Das konnte also nicht das Sart bei Lierneux sein. Ich wußte aber noch von der Recherche in Jalhay, dass es dort einen Ort gleichen Namens gab, und zwar Sart-lez-Spa. Und tatsächlich: die Einträge in den Kirchenbüchern dieses Ortes passten zum Index. Ich habe das Archiv dann sofort benachrichtigt, dass sie den alphabetischen Index unter dem richtigen Ort listen, um nicht noch jemanden in die Irre zu führen. Wie ich im Folgenden noch erläutern werde, kann es mittlerweile als gesichert gelten, dass es sich bei dem am 23.05.1675 in Sart-lez-Spa getauften Jean Jacquemotte um den Stammvater der Nieverner Linie und bei dem am 29.09.1672 in Sart-lez-Spa getauften Léonard Jacquemotte um den Stammvater der Arzbacher Linie handelt.

Einige Bemerkungen zum ersten Kirchenbuch von Sart-lez-Spa und zum “Patronymproblem”

Das erste Kirchenbuch von Sart-lez-Spa beginnt am 17.11.1616 mit Taufeinträgen und wird zunächst nur sporadisch geführt, so hat der Jahrgang 1619 nur zwei Einträge, die Jahre 1623-1627 fehlen ganz. Ab 1640 steigen die Einträge auf etwa 30 pro Jahr an, fallen aber dann zu Ende des 30jährigen Krieges wieder auf 13 im Jahr 1651 und 7 im Jahr 1652 ab. Hier findet sich eine zeitliche Lücke von Nov. 1651 bis Mai 1652. Bis 1670 (aktueller Stand der Recherche) nimmt die Anzahl auf 37 Einträge (Median) pro Jahr zu mit einem Höchstand von 47 Taufen im Jahr 1669. Insgesamt werden im Zeitraum 1616-1670 1142 Kinder getauft, davon 590 männliche und 552 weibliche. Vor 1647 wird der Name des Kindesmutter nur vereinzelt genannt, dann aber vollständig mit Vor- und Familienname bzw. Patronym. Als dann Pfarrer Pierre Henrard am 22.06.1660 die Pfarrei übernimmt, beginnt er auch gleich mit der Aufzeichnung von Trauungen und Todesfällen. Gerade letztere fallen durch einen hohen Informationsgehalt auf, was zu dieser Zeit nicht selbstverständlich ist. Generell werden erwachsene Personen (auch Jugendliche) mit Todes- und Begräbnisdatum und sogar mit Datum der Exequien festgehalten. Darüber hinaus werden auch meistens die Todesumstände wie z. B. Krankheiten oder Unglücksfälle vermerkt. Bei einigen Todesfällen heißt es “obiit in Germania”, ein wertvoller Hinweis, der auch bei den ausgewanderten Brüdern Jean und Léonard noch eine Rolle spielen wird. Trauungen erscheinen mit Herkunftsort der Brautleute (wenn aus Sart-lez-Spa, fällt er meist weg), den Trauzeugen und der Angabe “dimittiert von/nach”. Der Vater der Brautleute ist durch Bezeichnungen “filius/filia (von)” oder durch das Patronym angegeben. Im Gegensatz zu deutschen finden sich in wallonischen Kirchenbüchern viele Namen in einer Patronymschreibweise. Dies führt teilweise zu erheblichen Identifikations-problemen, da sich die Namen in jeder Generation ändern. Vor allem wenn Personen abwechselnd mit Patronym oder Familiennamen genannt werden. Hierzu einige Beispiele: “Henricus Joannis Laurentii” ist Pate am 07.03.1649, gemeint ist ein “Henri, Sohn von Jean, Sohn von Laurent”. “Catharina Collin Thomae” ist Patin am 28.04.1650: gemeint ist eine “Catherine, Tochter von Collin, Tochter von Thomas”. Wichtig ist hierbei die Kenntnis, dass der Name “Nicolas” auch in den landesüblichen Formen wie “Collas, Collin, Collet(te)” erscheint (wie z. B. auch “Badon” zu “Bauduin”). Am 02.11.1650 lassen Pierre (Petrus) Petitjean und Marie (Maria) Jacquet ein Kind taufen. Mit gleichem Namen der Mutter ist aber bei Taufen vom 06.08.1654 und 16.09.1662 das Kind nur Sohn/Tochter eines “Petri Ioannis Leonardi”, d. h. der Familienname wird gar nicht genannt. Der im 19. Jh. erstellte Index listet eine Taufe richtig unter “P” und die anderen unter “L”, interpretiert das “Leonardi” als Familiennamen und ist an dieser Stelle völlig unbrauchbar. Diese Beispiele sollen zeigen, welche Probleme bei der Arbeit mit wallonischen Kirchenbüchern auftreten können, die aber hier in unserem Ort Gott sei Dank nicht die Regel sind.

Der Name “Jacquemotte” im ersten KB von Sart-lez-Spa

Bis 1670 findet sich der Name im Taufbuch ausschließlich und nur äußerst spärlich in Patenschaften. Eine Anna Jacqmotte ist am 27.01.1643 Patin bei Jean de Tris. Eine weitere Patenschaft übernimmt sie wohl am 08.01.1646 bei Melchior Gavet. Der gleiche Name erscheint dann erneut als Ehefrau von Jean Thorez, der am 10.02.1647 ein Kind taufen lässt. Pate ist hier ein Nicolaus Jacqmotte. Erst am 27.12.1660 findet sich der Name wieder, als Guilhelmus, filius Wilhelmi Jacqmot Pate bei Leonardus Joannes Collar Herman ist (nebenbei auch ein Beispiel für eine Patronymreihung über drei Generationen). Schließlich sehen wir noch eine Marie, Ehefrau von Jean Jacquemotte, als Patin am 22.05.1668 bei André Nivette, am 13.10.1668 bei Jean Racquette und am 11.11.1668 bei Noel Racquette. Mit der Taufe von Guillaume am 11.04.1670 lassen dann ein Guillaume Jacquemotte und eine Élisabeth Petitjean das erste von vier Kindern taufen. Es folgen Léonard am 29.09.1672, Jean am 23.05.1675 und Élisabeth am 01.02.1680. Danach kommt der Name nicht mehr vor (auch nicht im 18. Jh.). An dieser Stelle ist interessant zu sehen, dass auch Jean in Nievern seine ersten drei Kinder in der Reihenfolge Leonhard, Johannes und Elisabeth nennt. Im Ehe- bzw. im Totenbuch findet sich der Name erst ab 1668. Am 02.05.1669 heiraten die Eltern der ausgewanderten Brüder Guillaume Jacquemotte und Élisabeth Petitjean. Die Mutter ist demnach Tochter eines Léonhard Petitjean und am 14.12.1641 in Sart-lez-Spa getauft, war bei ihrer Heirat also schon 27 Jahre alt. Ein weitere Eintrag vom 18.05.1668 nennt die Trauung eines Jean Jacquemotte und einer Marie, Tochter von Henri Michel. Dieser Jean lässt sich als Bruder des Guillaume identifizieren. Das geringe Vorkommen des Namens „Jacquemotte“ wirft einerseits die Frage auf, ob Sart-lez-Spa überhaupt schon seit Generationen Wohnort war, lässt anderseits aber die Zuordnung der genannten Personen zu. Blicken wir wieder auf die Patenschaft vom 27.12.1660. Ich vermute, dass es sich bei diesem „Guillaume, Sohn von Guillaume Jacquemotte“ um den Ehemann dieser Élisabeth Petitjean handelt. Denn dann lassen sich der am 02.11.1668 an der Ruhr gestorbene Guillaume Jacquemotte und seine am 01.11.1668 ebenfalls an der Ruhr (Dysenterie) gestorbene Ehefrau Sabeau als Eltern dieses Guillaume junior interpretieren (Ende Oktober 1668 setzt in Sart-lez-Spa eine Ruhr-Epidemie ein, an der bis Mitte November neun erwachsene Personen sterben). Der 1647 genannte Pate Nicolaus Jacqmotte und die 1643 und 1646 zunächst als Patin und 1647 wohl als Ehefrau des Jean Thorez genannte Ehefrau Anna Jacqmotte sind wahrscheinlich auch Kinder des Guillaume senior. Ob sich die Familie mit Letzterem in Sart-lez-Spa angesiedelt hat oder schon länger dort ansässig war, lässt sich wahrscheinlich nur nach Auswertung weiterer Quellen beantworten. Geht man das Totenbuch jetzt weiter durch, findet sich erst wieder am 14.01.1688 ein Eintrag, der sich aber als wichtig herausstellen soll. Hier werden die Exequien für den 1670 geborenen Guillaume Jacquemotte gefeiert, der gerade mal 17 Jahre alt wurde und seit einiger Zeit in einem Eisenbergwerk beschäftigt war, denn es heisst: qui ab aliquo tempore in fodinis ferreis fuerat. Dies ist der erste und bisher einzige Hinweis, dass die Familie zumindest im 17. Jh. mit der Eisenverhüttung zu tun hatte. Auch über die Todesumstände gibt der Eintrag Auskunft, denn es heisst: suffocatus foetore dormiens, was sich mit “am Gestank/durch schlechte Luft im Schlaf erstickt” übersetzen lässt. An dieser Stelle sei daraufhin hingewiesen, dass die bisher ausgewerteten Todesfälle (bis 1670) öfters pleurisi (durch Entzündung des Brustfells) oder auch einmal corruptus morbo pulmonico (durch Lungenkrankheit zugrunde gegangen) als Todesursache aufweisen. Dass der Bergbau Lungenkrankheiten gefördert hat, liegt auf der Hand. Doch weiter im Totenbuch, das noch vier weitere Einträge zu unserer Familie hat. Am 11.03.1687 stirbt Marie, die Ehefrau des Jean Jacquemotte, er heiratet am 25.06.1695 ein zweites Mal und zwar eine Paschasie Botterman aus Sart-lez-Spa. Élisabeth Petitjean, die Ehefrau des Guillaume junior, stirbt am 30.03.1691. Der Witwer bleibt mit seinen Söhnen Léonard (18 Jahre) und Jean (15 Jahre) allein und scheint nicht wieder geheiratet zu haben. Über die 1680 geborene Tochter Élisabeth kann bisher nichts weiter gesagt werden. Ende der 1690er Jahre, aber spätestens im Jahr 1700 muss dann die Auswanderung mit den beiden Söhnen an die untere Lahn erfolgt sein, da am 28.07.1700 die Exequien für den in Deutschland verstorbenen Guillaume junior gefeiert werden. Es ist Jean, der ausdrücklich als Bruder des Guillaume junior genannt wird, der den Pfarrer in Sart-lez-Spa darum bittet, denn es heisst im Todeseintrag ad requisitionem Joannis Jacquemot, fratris eius, qui sacramentis rite munitus obiit in Germania. Er ist auch der letzte der Familie, der in Sart-lez-Spa am 05.03.1716 an Altersschwäche (senio correptus) stirbt.

Taufeintrag des Léonard Jacquemotte (29.09.1672)

Taufeintrag des Jean Jacquemotte (23.05.1675)


Weitere Auswanderungen

Das Personen aus Sart-lez-Spa als Hüttenmeister auch anderen Orten im Heiligen Römischen Reich gewirkt haben, weist Bruno Andre in seinem Buch “Das Dorf Wehr” (1986), Band II nach (siehe http://www.kreis-ahrweiler.de/kvar/VT/hjb2004/hjb2004.30.htm). Vermutlich gehen weitere Familiennamen in Nievern auf Einwanderer aus Sart-lez-Spa zurück (vgl. den Namen Thorisch in Nievern bzw. Thorez in Sart-lez-Spa). Hier steht die Recherche jedoch noch am Anfang. Ein weiterer bisheriger Zufallsfund datiert vom 18.02.1686 im Totenbuch, als die Exequien für einen Thomas, Sohn eines Nicolai Collin gefeiert werden, der am 01.02.1686 in Hademurre in Germania am Fieber starb. Gemeint ist Hadamar, wo nachweislich eine Eisenhütte stand. Das Ehebuch der Pfarrei Winden mit Weinähr, wo auch eine Eisenhütte stand, nennt zwischen 1704 und 1706 mehrfach einen Ort Saar im Lüttlicher Land (patria Leodiensis), der wohl mit Sart-lez-Spa gleichzusetzen ist.


Letztes Update: 17.02.2017
Ralph Jackmuth